Iğdır (armenisch Իգդիր, Igdir, nach der antiken Stadt auch Ցոլակերտ, Tsolakert; aserbaidschanisch İğdır; kurdisch Îdir) ist eine Stadt im äußersten Osten der Türkei, an der Grenze zu Armenien. Sie hat 81.162 Einwohner (Volkszählung 2011). Sie ist die Provinzhauptstadt der gleichnamigen Provinz Iğdır und liegt in der Talebene des Aras im Nordwesten des Ararat.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1923 | 3716 |
| 1955 | 17.585 |
| 1960 | 14.670 |
| 1970 | 29.542 |
| 1980 | 24.352 |
| 1985 | 29.460 |
| 1990 | 35.858 |
| 1997 | 45.941 |
| 2000 | 59.880 |
| 2007 | 75.927 |
| 2008 | 75.824 |
| 2011 | 81.162 |
Die Umgebung von Iğdır gehörte in urartäischer Zeit vermutlich zu Erekua. Aus dieser Zeit stammt ein Gräberfeld, das 1913 wenige Kilometer östlich an der Straße nach Markara freigelegt wurde. Mit einer Ausnahme handelte es sich bei allen Bestattungen um Urnengräber in Felsspalten, die mit Steinplatten abgedeckt waren. Der Fundort lässt den Schluss zu, dass sich hier ein urartäischer Militärstützpunkt befand.
Die mittelalterliche armenische Stadt Tsolakert (Ցոլակերտ) befand sich wahrscheinlich nahe der heutigen Stadt Iğdır.
Lange Zeit war Iğdır lediglich ein kleines Dorf. Seit 1555 gehörte der Ort zum persischen Safawiden-Reich, abgesehen von kurzen Perioden unter osmanischer Herrschaft (1578–1605, 1635–1636 und 1722–1746). Nach dem Russisch-Persischen Krieg (1826–1828) kam Iğdır unter russische Herrschaft und wurde Kreisstadt im Gouvernement Eriwan. Unter der Zarenherrschaft siedelten sich viele Armenier in Iğdır (damals russ. Игдир) an. 1914 betrug die Bevölkerungszahl bereits 10.000, mehrheitlich Armenier. Igdir hatte zu jener Zeit drei Kirchen.
1917 wurde Iğdır Teil der neu gegründeten Demokratischen Republik Armenien. Im Hungerwinter 1918/1919 kam ein erheblicher Teil seiner Bevölkerung um. 1919 wurde Iğdır zur Stadt erhoben.
Im Türkisch-Armenischen Krieg eroberten türkische Einheiten im September 1920 die Stadt. Durch den Vertrag von Kars wurde das Gebiet von Iğdır auch formell der Türkei zugesprochen.
Bei der Volkszählung von 1897 hatte die Stadt Iğdır 4680 Einwohner, überwiegend Armenier (84 %) und Russen (12 %). Im Rahmen des Völkermords an den Armeniern und als Folge der türkischen Eroberung im Oktober 1920 flohen die Armenier und andere christliche Volksgruppen aus der Stadt. Später wanderten viele Aseris aus dem Umland sowie Kurden aus den Provinzen Van und Ağrı ein, so dass die Bevölkerung heute mehrheitlich aus schiitischen Aseris und sunnitischen Kurden besteht.
In Iğdır befindet sich ein umstrittenes „Völkermord-Denkmal und Museum“ (Iğdır Soykırım Anıt-Müzesi), dessen Bau im August 1997 begann und das am 5. Oktober 1999 vom türkischen Minister Ramazan Mirzaoğlu eröffnet wurde. Es ist 43,5 Meter hoch. Das Denkmal soll dem Gedenken an Massenmorde dienen, die während des Ersten Weltkrieges und des nachfolgenden Türkisch-Armenischen Krieges von armenischen Truppen an türkischen Zivilisten begangen wurden. Die Errichtung des Denkmals wird auch als Antwort auf Mahnmale in anderen Ländern verstanden, die an den Völkermord an den Armeniern während genau dieser Jahre erinnern sollen.
Iğdır ist Sitz des Fußballvereins Iğdırspor, der zeitweise in der zweiten türkischen Liga spielte.
Iğdır vom Ararat gesehen
Ebene bei Iğdır
Zentrum von Iğdır
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Ein Grabstein in Form eines Schafes in Iğdır.