Muş

Muş (kurdisch Mûs) ist eine türkische Stadt im Osten von Anatolien, etwa 80 km westlich des Vansees. Sie hat etwa 90.000 Einwohner und ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Muş. Die Bevölkerung besteht mehrheitlich aus Kurden. Bis zum Völkermord an den Armeniern im Jahre 1915 lebten 25.000 Armenier in Muş. Die Stadt war armenischer Bischofssitz.

Ursprung des Namens Muş

Muş 1923

Es ist nicht bekannt, wann und durch wen Muş gegründet worden ist. Es gibt mehrere Legenden und Erzählungen:

  • Nach einer Überlieferung wurde die Stadt durch Hebräer gegründet. Diese flohen vor den Assyrern nach Anatolien. In einem Salname (Jahrbuch) des Vilâyets Bitlis von 1914 wurde der Name Muş als Ablautung aus dem hebräischen Wort Muşa, was etwa „wasserreicher, fruchtbarer Ort und Weideplatz“ bedeutet, angegeben. Tatsächlich liegt Muş in einem fruchtbaren und wasserreichen Tal.
  • Eine andere Überlieferung nennt das Volk der Muški als Gründer. Diese seien im 12. Jh. v. Chr. von der Ägäis nach Ostanatolien eingewandert. Von Muş aus hätten die Muški dann weiter Richtung Assyrien expandiert. Dort werden sie in den assyrischen Quellen aus dem 12. bis 8. Jh. v. Chr. oft erwähnt.
  • Eine religiöse Überlieferung besagt, dass Muş von einem Enkel Japhets namens Muş gegründet worden sei.

In der Antike war die Region um Muş als Taronitit bekannt. Muş trug damals den Namen Taron.

Lage

Die Stadt liegt am Murat, der sich im Keban-Stausee in Elazığ mit dem Karasu zum Euphrat vereinigt. Das Tal des wasserreichen Stromes – der nach rund 900 km Strecke in der Türkei auch halb Syrien und den ganzen Irak durchfließt – liegt hier noch auf mehr als 1000 Metern Meereshöhe. Es verläuft zwischen den Ost-West-Gebirgsketten der Bingöl Dağları (2800 m) und des Akçakara Dağı (2.950 m) im Süd-Ost-Taurus (Güney Doğu Toroslar).

Stadtbild

Sehenswürdigkeiten der Stadt sind die Burg, die etwa auf das 14. Jahrhundert zurückgehende große Moschee Ulu Cami, die Moscheen von Hacı Seref (etwa 17. Jahrhundert) und Alaeddin Bey (erste Hälfte 18. Jahrhundert), die Karawanserei von Aslanlı (etwa 14. Jahrhundert) und die Ruine der St.-Marineh-Kirche.

Das an der Stelle des altarmenischen Kultortes Aschtischat gegründete Kloster von Surp Karabet nordwestlich der Stadt und das Kloster Yeghrduti Vank im Westen sind völlig verschwunden. Vom Heilige-Apostel-Kloster im Süden blieb nur ein geringer Mauerrest erhalten.

Klimatabelle

Muş (1322 m)
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
89
 
-3
-11
 
 
101
 
-1
-10
 
 
104
 
6
-3
 
 
106
 
15
4
 
 
68
 
21
9
 
 
28
 
27
13
 
 
6.4
 
33
17
 
 
3.7
 
33
17
 
 
14
 
28
12
 
 
65
 
20
7
 
 
90
 
10
0
 
 
88
 
1
-6
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Staatliches Meteorologisches Amt der Türkischen Republik, Daten 1950-2015
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Muş (1322 m)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) -3,2 -1,4 5,7 14,5 21,2 27,4 32,9 33,0 28,2 19,7 9,8 0,8 Ø 15,8
Min. Temperatur (°C) -11,1 -9,9 -3,2 4,1 8,7 12,5 16,9 16,7 12,1 6,7 0,4 -6,1 Ø 4,1
Temperatur (°C) -7,3 -5,8 0,9 9,2 15,0 20,3 25,4 25,3 20,1 12,7 4,6 -2,9 Ø 9,9
Niederschlag (mm) 88,6 101,1 104,1 106,4 67,9 27,6 6,4 3,7 14,3 65,1 89,9 87,6 Σ 762,7
Sonnenstunden (h/d) 2,1 3,1 4,5 6,4 9,1 11,5 12,3 12,6 10,3 7,1 4,1 2,0 Ø 7,1
Regentage (d) 13,2 12,2 13,9 14,3 13,7 6,3 2,0 1,5 3,0 6,2 9,9 12,3 Σ 108,5