Bingöl (kurdisch: Çewlik; zazaisch: Çolig) ist eine Stadt in der Türkei und gleichzeitig Provinzhauptstadt der gleichnamigen Provinz Bingöl. Der Name des Landkreises lautet ebenfalls Bingöl. Sie liegt in einer Ebene am Bach Sağyer, der über den Murat in den Euphrat fließt. Der Landkreis Bingöl hat 153.011 Einwohner (Stand 2016).
Die Stadt hieß bis 1950 Çapakçur. Dieser Name ist seit dem 4. Jahrhundert bekannt und wahrscheinlich armenischen Ursprungs. Der armenische Name leitet sich von einem Bach ab, der in den Murat fließt. Laut einer anderen populären Erklärung bei Evliya Çelebi stammt der Name von Alexander dem Großen ab, der durch das Wasser des Flusses an diesem Ort von einer Krankheit geheilt wurde. Daraufhin habe er den Ort in der makedonischen Sprache (bei Çelebi Makdis lisanı) Wasser des Paradieses genannt. In islamischen Quellen des Mittelalters wird Çapakçur auch Jabal Jur genannt, was volksetymologisch mit Dschabal für Berg und Dschur für Fließen erklärt wurde. Der andere traditionelle Name Çewlik/Çolig bezeichnet einen Acker oder Garten an einem Fluss.
Die Geschichte der Stadt reicht weit zurück, sie kam mit ihrer Region unter die Herrschaft verschiedener Reiche. So waren Stadt und Region Teil des Reiches von Urartu. Der assyrische König Assurbanipal eroberte Bingöl 660 v. Chr. Im 7. Jahrhundert v. Chr. wurde Bingöl Teil des ersten persischen Großreichs. Die Perser wurden von den Seleukiden abgelöst. 60 v. Chr. eroberten die Römer das Gebiet von den Arsakiden. Im Jahr 395 wurde Bingöl Teil des Byzantinischen Reiches, das hier mit Unterbrechungen bis zum Einfall der Araber im Jahr 651 herrschte.
Nach der Islamisierung der Region etablierten sich im 13. Jahrhundert türkische Beyliks. Eines davon waren die Rum-Seldschuken, die Bingöl 1230 einnahmen. 1243 eroberten die Ilchane das Gebiet, nachdem sie die Rum-Seldschuken besiegt hatten. Den Ilchanen folgten die Aq Qoyunlu und ihnen die Safawiden. Die Safawiden wurden 1515 von den Osmanen besiegt. 1844 wurde die Stadt Bingöl unter dem Namen Çewlik ein Verwaltungszentrum innerhalb des Landkreises Palu. Doch ein Jahr später wurde Bingöl an die Provinz Erzurum angeschlossen. 1848 wurde Bingöl anlässlich einer Verwaltungsreform einer anderen Provinz, diesmal Diyarbakır, zugeschlagen. Bis zum Ersten Weltkrieg blieb Bingöl osmanisch, geriet jedoch im Juni 1916 unter russische Besatzung. Die Russen zogen sich 1917 zurück. Bingöl wurde als Teil des Vilâyets Genç Teil der Türkei. In den Anfangsjahren der türkischen Republik lag Bingöl im Bereich der kurdischen Aufstände, z. B. des Scheich-Said-Aufstands 1925. Per Gesetz wurden Bingöl im Januar 1936 Provinzhauptstadt und Genç Kreishauptstadt.
Die Stadt Bingöl ist von Bergen mit Gletschern umgeben. Geologisch gesehen liegt Bingöl in einem Erdbebengebiet. Schwere Erdbeben ereigneten sich am 22. Mai 1971 mit bis zu 800 Toten und am 1. Mai 2003. Die Stärke des Bebens von 2003 betrug 6,4 auf der Richterskala. Es starben 180 Menschen.
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| Klimadiagramm | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Bingöl (1139m)
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In Bingöl befindet sich die staatliche Bingöl-Universität (türkisch Bingöl Üniversitesi).