Sirence

Şirince ist ein Dorf (türkisch: köy) im Landkreis (türkisch: ilçe) Selçuk in der türkischen Provinz Izmir. Mit seinen 530 (2012) Einwohnern liegt es etwa acht Kilometer östlich von Selçuk und dem historischen Ephesos am Ende eines Oliventals am westlichen Rand des Aydın-Gebirges.

Über die Entstehung von Şirince und die Namensgebung gibt es verschiedene Geschichten. Wahrscheinlich wurde der Ort Anfang des 15. Jahrhunderts von Ephesern gegründet, die bei der Eroberung durch Timur ihre Stadt aufgaben und sich in die Berge zurückzogen. Eine andere Version erzählt von Sklaven, die sich dort niederließen und den Ort Çirkince (türkisch für Hässlichkeit) tauften, um weitere Siedler abzuhalten. In der dritten Variante sind es 40 freigelassene Sklaven, nach denen der Ort ursprünglich Kırkinca (türkisch vierzig: kırk; die Vierzig) genannt wurde.

Im 19. Jahrhundert war der Ort für seine Feigen bekannt, die großteils nach Europa exportiert wurden.

Bis 1924 lebten im heutigen Şirince vor allem christliche Griechen. Damals war die Stadt wesentlich größer und ein wichtiger Handelsort für die umliegenden Klöster. Şirince war auch ein religiöses Zentrum. Es hieß, die Jungfrau Maria wäre dort in den Himmel aufgefahren. Nach dem Griechisch-Türkischen Krieg 1919–1922 kam es zu einer großen Umsiedlungsaktion. Die Griechen wurden aus Şirince vertrieben und Türken, die aus der Gegend von Thessaloniki und Kavala vertrieben worden waren, zogen ein.

1926 gab der damalige Gouverneur von Izmir, Kazım Dirik, dem Ort den neuen Namen Şirince (Türkisch für Freundlichkeit).

Şirince ist nur über eine schmale bergige Landstraße zu erreichen, die in die knapp acht km entfernte Kreisstadt Selçuk führt. Es gibt ein Sammeltaxisystem (Dolmuş) nach Selçuk. In die Provinzhauptstadt Izmir sind es 83 km.

Die Einwohner leben hauptsächlich von Wein- und Obstbau (Oliven, Kirschen, Äpfel, Pfirsiche, Feigen, Walnüsse) und vom Tourismus. Şirince gilt als authentisches altes griechisches Dorf. In der Tat hat sich das Dorfbild in den letzten hundert Jahren kaum verändert. Die meisten weißen Griechenhäuser aus Backstein entstanden im 18. und 19. Jahrhundert. Der Ort steht unter Denkmalschutz und teilweise hat man mit der Renovierung der ersten Häuser begonnen. Das Dorf ist deswegen ein beliebtes Ausflugsziel auf Rundreisen und bei Kreuzfahrtpassagieren; so ist Şirince in den Sommermonaten oft von Touristen überlaufen. Da der Ort an einem steilen Berghang liegt und nur über kleine Gassen verfügt, ist er am besten zu Fuß zu erkunden.

Die neuen Bewohner haben die Tradition des griechischen Weinbaus wieder aufgenommen; es werden vor allem einfache Rotweine und Fruchtweine produziert und im Ort verkauft. Auch deutsche Winzer engagieren sich seit 2011 in Şirince. Überregionales Aufsehen erregte der Winzer Erkan Önoğlu, der für den vorgesehenen Weltuntergang (siehe unten) einen speziellen Wein namens Himmelfahrt der heiligen Mutter Maria produzierte.

Ende 2012 erlebte das Dorf einen Besucheransturm, weil manche glaubten, dass nach dem Ende des Maya-Kalenders die Welt untergehen würde, dass aber Şirince aufgrund der Marienverehrung und „positiver Energien“ als einziger Ort (neben Bugarach) verschont bliebe.